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We are family – Glückliche Familie ist möglich und lernbar

on Jun 18 in Blog posted by

Immer wieder haben in der Geschichte große Veränderungen stattgefunden. Alte Rollenbilder zerfallen und neue müssen gefunden werden. Wir leben inmitten dieser Übergangsphase – alte Rollenbilder wollen nicht mehr gelebt werden und neue sind noch nicht vorhanden. Dies verursacht in Familien, Schulen, bei Eltern, Lehrer/innen und Kindern große Unsicherheit und das Pendel geht zwischen autoritären Erziehungsformen und laissez-faire hin und her. Was aufgrund meiner 30jährigen Erfahrung mit Familien und Kindern eindeutig gewünscht wird, ist ein Schutzrahmen, der von Eltern und Lehrer/innen gegeben werden soll, innerhalb dessen die Kinder sich frei entfalten können. Dieser Schutzrahmen existiert im Moment kaum und deshalb werden die Grenzen von den Kindern permanent überschritten und Eltern flüchten sich in Scheidungen, weil die Geborgenheit der Familie (eines Schutzrahmens) nicht vorhanden ist. Diese Suche und Sehnsucht nach Gemeinschaft und Familie scheinen sehr groß zu sein und die Hilflosigkeit, dies nicht erreichen zu können, führt zu Einsamkeit und ansteigenden Singlehaushalten.

Die Versuche, gleichwertiges Miteinander zu finden, aus den alten autoritären Familiengefügen auszubrechen, sind scheinbar bisher fehlgeschlagen, was sich in den großen Zahlen der Scheidungen zeigt. Wir stehen vor einer Aufgabe, die es in der ganzen Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben hat. Bisher gab es im familiären Zusammenleben immer entweder Patriarchat oder Matriarchat. Gleichwertiges Miteinander ist noch nicht gelebt worden und muss erstmalig definiert werden, um lehr- und lernbar zu werden. Ziel ist es deshalb, Definitionen für diese neuen Rollen zu finden, die nur die betroffenen Personen selbst finden können.

Wandel in Familie, Ehe und Partnerschaft
Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts und auch in diesem Jahrhundert vollzog und vollzieht sich in Familie, Ehe und Partnerschaft ein tief greifender Wandel. Familie als Wert an sich verliert zunehmend an Bedeutung. An seine Stelle treten in wachsendem Maß gesellschaftliche Werte wie z.B. Selbstverwirklichung, Beruf, Karriere und individuelle Lebensplanung. Dieser Trend ist schon seit Jahrzehnten zu beobachten und spiegelt sich wider in ständig zunehmenden Scheidungszahlen, in der Abnahme der Geburtenrate, in der wachsenden Zahl von alleinerziehenden Männern und Frauen, in einer 800%igen Zunahme von „nichtehelichen Lebensgemeinschaften“ in den Jahren von 1972 bis 1990 sowie in neuen Wortschöpfungen wie „Lebensabschnittspartner“ und in der Herausbildung einer Singlekultur. Zugleich jedoch gibt es eine starke Sehnsucht nach dauerhafter Liebe und befriedigender Partnerschaft. 75% der Literatur beispielsweise beschäftigen sich in verschiedenster Weise mit den Themen Liebe und Partnerschaft und die Praxen der Eheberater und Therapeuten florieren. Eine traditionelle, eine eindeutig „richtige“ Form der Familie und der Zweierbeziehung gibt es nicht mehr. Wir sind aufgefordert, unsere Fähigkeiten einzusetzen, um neue positive, befriedigende Modelle für Familie, Ehe und Partnerschaft, für Gemeinschaft und ein Miteinander zu entwickeln. Das bedeutet gleichzeitig auch, ein neues Selbstverständnis als Mann und als Frau zu entdecken und die Rolle als Vater bzw. als Mutter mit neuen Inhalten zu füllen. Dies stellt für beide Geschlechter eine Herausforderung und eine große Chance gleichermaßen dar. Viele Menschen sind ratlos und auf der Suche nach Möglichkeiten, wie dieser Raum zu füllen ist. Es stellen sich entscheidende Fragen, denen sich der Einzelne heute allein gegenüber sieht, zum Beispiel:

• Worin bestehen die Funktion und die Bedeutung einer Familie, einer Partnerschaft?
• In welchem Rahmen, unter welchen Voraussetzungen und anhand welcher Fähigkeiten
• können zufrieden stellende Beziehungen geschaffen werden?
• Welche Bedeutung kommen Beruf und Karriere zu, welchen Raum nehmen sie ein?

In unserer Zeit gibt es in Familie, Ehe und Partnerschaft charakteristische, immer wiederkehrende Konfliktsituationen, die nicht nur auf persönliche Schwächen des Einzelnen zurückzuführen sind, sondern die auch im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Bedingungen stehen. Es müssen in diesem Zusammenhang historische Entwicklungen, der Wandel der soziokulturellen Werte sowie der aktuelle gesellschaftliche Hintergrund berücksichtigt werden, der sowohl Risiken als auch Herausforderungen und Möglichkeiten in sich birgt. Viele Menschen, viele Paare und Familien gehen davon aus, dass persönliche Unzulänglichkeiten die Gründe für Schwierigkeiten in Beziehungen sind. Dies trifft nur zum Teil zu. Der gesellschaftliche Wandel muss in diesem Zusammenhang mitberücksichtigt werden. Dies kann für den Einzelnen entlastend wirken, da deutlich wird, dass die Entwicklung neuer Modelle für Zweierbeziehungen und Familie eine kulturelle Herausforderung darstellt und keineswegs nur eine Problematik ist, die ihn allein betrifft. Zudem kann es den einzelnen Menschen motivieren und dazu ermutigen, eigene Vorstellungen zu entwickeln auf seine Weise diesen Bereich mitzugestalten und gemeinsam mit anderen neue Möglichkeiten für das Zusammenleben zu entdecken.

Das von Dr. Gundl Kutschera entwickelte 5 Rollen-Modell zeigt, wie Definitionen von gleichwertigen Beziehungen mit neuen Rollenbildern möglich sein können. Mit Hilfe dieses Modells ist es möglich, dass jedes Paar und jede Familie ihre eigene Rollendefinition, ihre eigenen Regeln und ihre eigenen Werte findet. Diese sind natürlich eingebettet in das demokratische Gefüge des Sozialstaates. Nur so können wir herausfinden, wie die neuen Väter, Mütter, Kinder, Lehrer/innen usw. sein werden und wie dadurch ein gleichwertiges Miteinander möglich wird. Näheres dazu in diesem Blogbeitrag: http://blog.kutschera.org/das-5-rollen-modell-als-moglichkeit-fur-gleichwertige-beziehungen/



2 Kommentare Leave a comment

  1. Das 5-Rollen-Modell sehen wir uns gern näher an und werden es intern diskutieren

    Kommentar by Dominik — 29. Juni 2012 @ 19:31

  2. In einer Familie sollte Einigkeit sein , inbesondere in Geldfragen, gegenueber den Verwandten und zu den Nachbarn.

    Kommentar by Eheberatung — 13. November 2012 @ 06:06

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