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Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

on Apr 30 in Blog posted , , by

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? So lautet zu Recht ein Buch von Paul Watzlawick. Wie auch immer die Außenwelt tatsächlich sein mag, wir nutzen unsere Sinne, um sie zu erforschen und (Land-)Karten davon anzulegen. Die Welt ist eine Unendlichkeit aus möglichen Sinneseindrücken, und wir können nur einen sehr kleinen Teil davon wahrnehmen. Der Teil, den wir wahrnehmen können, wird weiter gefiltert durch unsere einzigartigen Erfahrungen, unsere Kultur, Glaubenssätze oder Einstellungen, Werte, Interessen und Annahmen.

Jeder Mensch lebt in seiner einzigartigen Welt, die auf seine Sinneseindrücke und individuellen Lebenserfahrungen gegründet ist, und wir handeln auf der Basis dessen, was wir wahrnehmen: das ist unser Modell der Welt. Die Welt ist so unermesslich und reich, dass wir sie vereinfachen müssen, um ihr Bedeutung zu verleihen. Karten entwerfen ist eine gute Analogie für das, was wir tun; so geben wir der Welt Bedeutung. Karten sind selektiv, sie lassen ebenso sehr Information aus wie sie Information geben und sie sind von unschätzbarem Wert für die Erforschung eines Gebietes. Die Art der Karte, die man anlegt, hängt davon ab, was man wahrnimmt und was man erreichen will.

Die Landkarte ist nicht das Gebiet, das sie darstellt. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf jene Aspekte der Welt, die uns interessieren, und ignorieren andere. Die Welt ist immer reicher als die Gedanken, die wir über sie haben. Die Filter, die wir unserer Wahrnehmung aufsetzen, bestimmen, in welcher Art Welt wir leben. Es gibt eine Geschichte von Picasso, der von einem Fremden angesprochen und gefragt wurde, warum er die Dinge nicht so male, wie sie wirklich seien. Picasso schaute leicht irritiert. „Ich verstehe nicht ganz, was Sie meinen“, entgegnete er. Der Mann holte eine Fotografie seiner Frau hervor. „Schauen Sie“, sagte er „so meine ich es. So sieht meine Frau wirklich aus.“ Picasso blickte ihn zweifelnd an. „Sie ist aber sehr klein, nicht wahr? Und ein bisschen dünn und flach?“

Ein Künstler, ein Holzfäller und ein Botaniker, die in einem Wald spazieren gehen, machen sehr unterschiedliche Erfahrungen und nehmen sehr unterschiedliche Dinge wahr. Wenn Sie durch die Welt gehen und nach persönlichen Glanzleistungen Ausschau halten, werden Sie Glanzleistungen finden. Wenn Sie durch die Welt gehen und nach Problemen Ausschau halten, werden Sie Probleme finden. Oder wie das arabische Sprichwort es ausdrückt: „Wie ein Stück Brot aussieht, hängt davon ab, ob du hungrig bist oder nicht.“

Sehr eingeschränkte Einstellungen, Interessen und Wahrnehmungen lassen die Welt verarmen, machen sie vorhersagbar und langweilig. Genau dieselbe Welt kann reich und aufregend sein. Der Unterschied liegt nicht in der Welt, sondern in den Filtern, durch die wir sie wahrnehmen. Sind wir achtsam, entdecken wir unsere Filter und können sie hinterfragen und relativieren. Dadurch wird es oft einfacher, andere zu verstehen und von ihren “Filtern” vielleicht auch etwas zu lernen. :)



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